Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte (Rachel Joyce)

„Wer sagt, dass die Zeit real ist, nur weil wir Uhren haben, um sie zu messen? Wer weiß, ob alles mit der gleichen Geschwindigkeit vorwärts läuft? Vielleicht geht alles rückwärts oder zur Seite.“ (S.307)

Joyce, Rachel - Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte_____________________________________

Titel: Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte
Autorin: Rachel Joyce
Verlag: FISCHER Krüger
Genre: Roman
Seitenzahl: 430
Erscheinungsjahr: 2013
Punkte: 2
Cover: ©FISCHER Krüger
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Klappentext:

„Zwei Sekunden können das ganze Leben verändern.

Die Freunde Byron und James sind elf Jahre alt, als die Zeit aus den Fugen gerät: Können zwei Sekunden existieren, die es vorher nicht gab? Und wird ihre perfekte Welt jemals wieder  in den Takt kommen?

Rachel Joyce zieht uns ins Herz der Zeit: eine tief berührende Geschichte über Zerbrechlichkeit und Wahrheit, Freundschaft und Liebe und lebenslange Sekunden.“

Erwartungen:

Ehrlich gesagt, hatte ich keine konkrete Vorstellung von dem Buch. Ich habe den Klappentext gelesen und war aus irgendeinem Grund sofort fasziniert. Eine Geschichte über zwei Sekunden, die auf einmal existieren und alles verändern, habe ich wirklich noch nie gelesen. Erwartet habe ich eine Handlung, die ein wenig in Richtung Fantasy geht, das Thema Zeit leicht philosophisch betrachtet und auf eine gefühlvolle Weise von Freundschaft erzählt.

Meine Meinung…

…zur Handlung:

Das Jahr 1972 dauerte zwei Sekunden länger als andere Jahre, weil es ein Schaltjahr war und so die Unregelmäßigkeiten in der Erdbewegung ausgeglichen werden mussten. Genau in diesen zwei Sekunden fährt Byrons Mutter Diana ein kleines Mädchen an.

Soweit so gut. Allerdings hat die Handlung zwei sehr große Probleme.

1. Sie ist nicht nachvollziehbar.

Beim Lesen denkt man ständig: Warum reagieren die so? Das ergibt keinen Sinn. Byron ist von dem Gedanken überzeugt, dass seine Mutter keine Schuld an dem Unfall hat, weil er in den zwei Zusatzsekunden passiert ist. Ich habe nach wie vor nicht verstanden, wie er darauf kommt. Warum es diese zwei Sekunden genau gibt, wird ebenfalls nicht näher erläutert. Außerdem kommt später heraus, dass die hinzugefügte Zeit gar nicht mit dem Unfall zu hatte. Auch dazu keine Erklärung.

Nach dem Unfall verlangt die Mutter des „verletzten“ Mädchens (sie hat lediglich eine Schürfwunde am Knie) zahlreiche Geschenke und Wiedergutmachungen. Als aufmerksamer Leser bemerkt man sofort, dass sie Dianas Schuldgefühle ausnutzt. Von den handelnden Personen bekommt das natürlich niemand mit. Selbst als die Schürfwunde auf einmal genäht werden muss und schließlich in einer Lähmung endet, hinterfragt das niemand.

Byron heckt dann mit seinem besten Freund James einen Plan aus, um Diana zu helfen. Bei was auch immer. Durch ihre Pläne bringen sie die Mutter nämlich in Schwierigkeiten, die vorher gar nicht existiert haben.

2. Kein einziger Charakter ist sympathisch.

Diana nennt sich selber immer wieder dumm und handelt mehr als naiv und leichtgläubig. Byron hält sich selber für ebenfalls ziemlich unterbelichtet und glaubt, dass James wahnsinnig intelligent ist, weil er Diagramme zeichnet und Zeitung liest. Eine wirkliche Ahnung hat der auch aber auch nicht. Beim Lesen habe ich mich ständig über dumme Kommentare und Argumentationen von James aufgeregt.

Das einzig Positive an der Handlung war die Spannungskurve. Die ganze Zeit über laufen zwei Geschichten parallel zueinander: Die Geschehnisse um Byron, James und Diana und die Schilderung des Lebens von Jim. Er ist geistig krank und leidet unter Zwängen und Zwangsneurosen.

Man wartet nur darauf, dass die beiden Geschichten zusammentreffen und versucht einen Zusammenhang zu finden. Das Ende ist dann allerdings nicht wirklich überraschend und ebenfalls leicht unlogisch.

…zum Schreibstil:

Das Buch ist aus der Perspektive von Byron und Jim in der dritten Person geschrieben. Da der eine elfjähriger, nicht gerade intelligenter Junge und der andere ein psychisch kranker Mann ist, ist die Sprache nicht unbedingt hochgestochen. Im Gegenteil: Man merkt dem Schreibstil eine andere Sicht der Dinge an. Ab und zu bekommt man so wirklich neue Denkanstöße und fängt an zu grübeln. Die meiste Zeit über aber nervt es, dass der Tiefgang fehlt und alles eher oberflächlich beschrieben wird. Ganz schlimm wird es, wenn etwas beschrieben wird und Byron beziehungsweise Jim vollkommen falsche Schlüsse ziehen und mal wieder so gar nicht nachvollziehbar reagieren. Da wird man als Leser wahnsinnig.

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Fazit:

Beim Lesen selbst ist es ganz nett und hat eine schöne Spannungskurve. Als ich dann allerdings näher über die Handlung nachgedacht habe, habe ich mich wahnsinnig über die ganzen Unstimmigkeiten und Dummheiten aufgeregt.

2 von 10 Punkten

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