Ein ganzes halbes Jahr (Jojo Moyes)

„Im Grunde wollen sie nur die gute Seite sehen. Und sie brauchen es für sich selbst, dass auch ich die gute Seite sehe.“  (S.355)

Moyes, Jojo - Ein ganzes halbes Jahr

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Titel: Ein ganzes halbes Jahr
Autorin: Jojo Moyes
Verlag: Rowohlt Polaris
Genre: Beziehungsroman
Seitenzahl: 543
Erscheinungsjahr: 2013
Punkte: 8

Cover: ©Rowohlt Polaris
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Klappentext:

„Lou & Will

Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.

Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will. Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.

Eine Frau und ein Mann.
Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen.
Die Liebesgeschichte von Lou und Will.“

Erwartungen:

Ich habe mir das Buch gekauft, weil ich viele positive Kritiken darüber gelesen habe. Vorher hatte ich bereits den Roman „Eine Handvoll Worte“ von Jojo Moyes gelesen, von dem ich oft gehört habe, dass er nicht so gut sein soll wie „Ein ganzes halbes Jahr“. Ich fand das Buch trotzdem echt gut und hatte deswegen besonders hohe Erwartungen.

In dem Klappentext heißt es: „Eine Liebesgeschichte, anders als alles anderen.“ Allerdings hat mich die Beschreibung der Geschichte davon nicht unbedingt überzeugt. Eine Frau mit außergewöhnlichem Modegeschmack lernt einen deprimierten Mann kennen  – nicht unbedingt was Neues in meinen Augen. Auch wenn der Klappentext vermuten ließ, dass Will eine Behinderung hat, hatte ich keine großen Erwartungen an die Handlung. Ich bin fest davon ausgegangen, dass es wie folgt abläuft: Sie bringt ihm wieder neue Lebensfreude und nach einigen Komplikationen verlieben sich die beiden und werden glücklich.

Dennoch konnte ich es kaum erwarten, das Buch zu lesen, weil ich gut geschriebene Liebesgeschichten mag. Auch wenn die Handlung nicht außergewöhnlich sein würde, hatte ich mich auf eine gute Schreibweise und authentische Charaktere gefreut.

Meine Meinung…

…zur Handlung:

Es fing genauso an, wie ich befürchtet hatte: Louisa wird vom Arbeitsamt zu Will geschickt, um sich für eine Pflegestelle vorzustellen. Nach einem Unfall sitzt er im Rollstuhl. Er ist der gebildete Mann aus einem reichen Elternhaus, sie hat keine Ausbildung und eine Familie mit Geldnöten. Trotzdem bekommt sie den Job. Am Anfang ist er sehr abweisend zu ihr, nach einer Weile kommen die beiden besser miteinander aus. Das alles hat mich sehr an den Film „Ziemlich beste Freunde“ erinnert und mich ehrlich gesagt ganz schön gelangweilt.

Nach 150 Seiten kam dann endlich die erhoffte Wendung. Danach hat mich die Geschichte gepackt. Ohne inhaltlich zu viel zu verraten kann ich sagen, dass es dramatisch, unvorhersehbar, herzzerreißend und wahnsinnig süß wurde. Und das alles ohne typisch kitschige Liebesschwüre und gestellte Romantik!

Bis zur letzten Seite war ich mir nicht sicher, ob es ein Happy End geben würde. Ich konnte das Buch nicht mehr zur Seite legen und habe es innerhalb eines Tages durchgelesen. Und beim Epilog konnte ich mir dann ein paar Tränen nicht mehr verdrücken.

…zum Schreibstil:

Jojo Moyes hat das schwierige Thema wahnsinnig  gut umgesetzt. Während des Lesens habe ich ab und zu vergessen, dass Will im Rollstuhl sitzt und sich kaum bewegen kann. Die Autorin hat es geschafft, die handelnden Personen über ihren Charakter zu definieren. Selbst dabei brauchte sie nicht viele Details oder ewig lange Rückblicke in ihre Vergangenheit. Durch die guten Dialoge konnte man sich gut einen eigenen Eindruck bilden.

Der Hauptteil des Romans ist aus der Ich-Perspektive von Louisa geschrieben. Etwas verwirrend ist, dass es zwischendurch immer mal wieder ein einzelnes Kapitel gibt, das in der Ich-Perspektive einer anderen Person erzählt. Es dauert ein bisschen, bis man sich in diese eingelesen hat – und dann ist das Kapitel auch schon wieder zu Ende. Der Sinn dieses kurzen Perspektivenwechsels hat sich mir nicht ganz erschlossen. Dadurch, dass Wills Mutter oder Louisas Schwester ein Kapitel erzählen, ergeben sich keine wirklich neuen Erkenntnisse. Es wirkt eher so, als würde die Autorin damit schwierigen Situationen aus dem Weg gehen. Als zum ersten Mal klar wird, dass Louisa in Will verliebt ist, wird das beispielsweise nicht aus ihrer Sicht erzählt, sondern aus der eines Pflegers, der die beiden beobachtet.

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Fazit:

Obwohl die Handlung mich zu Anfang nicht überzeugt hat, konnte ich aufgrund des packendes Schreibstils nicht anders, als weiterzulesen. Nach den ersten 150 Seiten hat mich dann auch die Geschichte um Lou und Will richtig mitgenommen.

8 von 10 Punkten

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