Ich finde dich (Harlan Coben)

„‘Versprich es mir, Jake. Versprich mir, dass du uns in Ruhe lässt.‘ Das waren die letzten Worte, die die Liebe meines Lebens zu mir gesagt hatte. Die allerletzten. Und jetzt stand ich hier, sechs Jahre später, an dem Ort, an dem alles angefangen hatte, um mein Wort zu brechen.“ (S. 84)

Ich finde dich von Harlan Coben____________________________________________

Titel: Ich finde dich
Autor: Harlan Coben
Verlag: Page and Turner
Genre: Thriller
Seitenzahl: 415
Erscheinungsjahr: 2014
Punkte: 7
Cover: ©Page and Turner

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Klappentext:

„Natalie war die Liebe seines Lebens. Doch sie hat ihn verlassen, hat wie aus dem Nichts einen anderen Mann geheiratet, und Jake Fisher war am Boden zerstört. Zumal er Natalie schwören musste, sie zu vergessen, sie nie mehr zu kontaktieren. Doch als sechs Jahre später etwas Unglaubliches geschieht, bricht Jake sein Versprechen – und macht sich auf die Suche nach ihr. Eine Suche, die seine eigene Existenz für immer vernichtet. Und ihn auf die Spur einer unglaublichen Wahrheit bringt…“

Erwartungen:

Dieser Thriller hat mich sofort angesprochen, weil er eine Mischung aus zwei Dingen bietet, die ich bei Büchern besonders liebe: Neugier weckende Geheimnisse und eine große Liebe. Klingt erst einmal nach nichts Besonderem. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass in Thrillern die großen Gefühle oft zu kurz kommen. Leider geht es nur zu häufig darum, dass ein Ermittler im Vordergrund steht, der den Psycho-Serienmörder fassen will. Ab und zu gibt es eine Romanze. Das aber nur am Rande. Bei diesem Buch wies alles darauf hin, dass die Liebesgeschichte im Zentrum steht und sich eine Thriller-Geschichte drum herum abspielt.

Meine Meinung…

…zur Handlung:

Jake Fisher arbeitet als Collegeprofessor im Bereich Politikwissenschaften. Vor sechs Jahren hat er Natalie kennengelernt. Die beiden hatten drei Monate lang eine Beziehung. Dann hat Natalie Jake verlassen und ihren alten Liebhaber Todd geheiratet. Seitdem hat Jake nie wieder etwas von ihr gehört. Er hat ihr versprochen, sie und ihren Mann in Ruhe zu lassen.
Jahre später sieht er allerdings die Todesanzeige von Todd und fährt zu der Beerdigung. Da erfährt er, dass Todd zwei Kinder im Alter von 16 und 14 hat. Und die trauernde Witwe ist keinesfalls Natalie. Jake fängt an, nach Natalie zu suchen. Er fährt an den Ort, an dem er sie kennen gelernt hat. Aber weder das Anwesen existiert, noch können sich die Menschen in der Stadt an ihn erinnern. Laut dem Pfarrer der Kirche hat die Hochzeit nie stattgefunden, dabei war Jake als Gast selber dabei. Er fängt an, an sich zu zweifeln.

Bis dahin hat mich die Handlung mitgenommen. Ich habe selber angefangen, über Lösungen nachzudenken und wollte unbedingt wissen, was da los war. Wie kann Jake bei einer Hochzeit gewesen sein und die Braut, den Bräutigam und die Familien gesehen haben und sechs Jahre später ist es, als hätte all das niemals stattgefunden? Tausend Fragen, denen ich auf den Grund gehen wollte.

Dann wird es allerdings schnell zu viel des Guten. Jake gerät mehrfach in Lebensgefahr, steht immer wieder kurz vor der Lösung des Rätsels und die Mafia spielt natürlich auch eine Rolle. Alles sehr unglaubwürdig und unrealistisch. Ein Collegeprofessor hat zum ersten Mal in seinem Leben mit einem Mafia-Fiesling zu tun und tötet ihn direkt und kann fliehen? Das mag ja einmal funktionieren, aber bestimmt nicht mehrmals hintereinander, wie es in diesem Buch der Fall ist.

Was mich aber am meisten gestört hat ist, dass ich schon direkt am Anfang wusste, wie er herausfinden könnte, wo Natalie ist. Jake kommt aber erst nach 32 Kapiteln auf die Idee. Er hätte sich also all die unrealistischen Kämpfe und Schlägereien mit Mördern, Betrügern und Mafia-Gestalten sparen können.

…zum Schreibstil:

Das Buch ist im „How I met your mother“-Stil geschrieben – Nur mit weniger Witz und mehr nervigen Passagen. Die Hauptperson Jake Fisher erzählt dem Leser seine Geschichte. Dabei spricht er den Leser ab und zu direkt an:

„Wie Sie sich sicher denken können, lade ich nicht oft Gäste zu mir nach Hause ein.“ (S.43)

Oder noch schlimmer:

„Und – ob es Ihnen gefällt oder nicht – ich denke immer noch jeden Tag an sie.“ (S.43)

Er rechtfertigt sich vor dem Leser und spricht mögliche Reaktionen der Leser an.

„Sie war die Frau – ja, mir ist klar, wie kitschig das klingt – ohne die ich keinen Schritt mehr gehen konnte.“ (S. 8)

Auf Dauer ist das ziemlich nervig. In Filmen oder ähnlichem mag das ein sehr nettes Stilmittel sein, aber in der geschriebenen Sprache wirkt es aufgesetzt und unnatürlich.

Noch schlimmer waren für mich aber die ständigen Tjas, Najas und Heys.

„Es gab dort nichts zu sehen, außer, tja, eine Lichtung.“ (S. 12)

Die Sprache soll dadurch natürlich und authentisch und lebendig wirken. Das Problem ist nur, dass es nicht komplett durchgezogen wird. Am Anfang ist diese Eigenart sehr auffällig. Am Ende wird es immer weniger. Dadurch wirkt es eben nicht authentisch, sondern eher albern und wahnsinnig nervig.

Insgesamt ist das Buch aber sehr bildlich geschrieben und ganz gut zu lesen, wenn man die Heys, Najas und Tjas überliest.

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Fazit:

Leider hat mich das Buch inhaltlich nicht ganz überzeugen können. Mit jeder Seite verliert die Handlung an Spannung und mein Interesse an der Geschichte schwindet. Auch die genannten Besonderheiten im Schreibstil sind bei mir nicht so gut angekommen. Vor allem, weil sie auch nicht zu dem Charakter des besonnenen Collegeprofessors passen. Ganz verloren hat das Buch dennoch nicht. Die Grundidee ist nämlich ganz gut und auch der Schreibstil ist insgesamt ganz ok.

7 von 10 Punkten

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